Offenbarung Teil 1 (Kapitel 1 bis 11)

Jahrhunderte lang übersehen, oftmals kritisiert oder verfälscht dargestellt, manchmal heiß geliebt als “Gottes Trostbuch”. Heute aber ist sie so aktuell wie nie zuvor: Die Offenbarung des Johannes. Eigentlich ist sie die Offenbarung Jesu Christi, wie Johannes im ersten Vers des Buches (Offenbarung 1,1) schreibt. Die Offenbarung wird also von Jesus geschrieben. Johannes hält nur den Stift. Mit der Offenbarung bringt Johannes die Bibel zu ihrem Abschluss. Sie ist das einzige vollständig prophetische Buch des Neuen Testamentes.

Der griechische Name des Buches lautet Apokalypse (von griech. apokalypsis). In unserem Sprachgebrach bedeutet eine Apokalypse einen Weltuntergang oder eine Katastrophe, die einem Weltuntergang nahe kommt. Das Griechische Wort heißt aber schlicht “Enthüllung”. Deshalb ist der deutsche Name richtig und gut gewählt.

Der Apostel Johannes war einer der zwölf Jünger, die von Jesus unterwiesen wurden. Aus seiner Feder stammen auch das Johannesevangelium und die drei Johannesbriefe. Er ist der einzige der Apostel, der eines natürlichen Todes starb. Alle anderen Apostel erlitten den Märtyrertod.

Etwas Wichtiges wäre anzumerken: Johannes beschreibt keine Eindrücke, Empfindungen oder Träume. Er beschreibt, was er sah und hörte. Deshalb können wir die Offenbarung als wichtiges Dokument ansehen, das uns sehr genau und zuverlässig die kommende Zeit beschreibt, weil Johannes Augen- und Ohrenzeuge der Ereignisse war.

Probleme bei der Auslegung

Die Kirche hatte in den fast 2.000 Jahren ihrer Geschichte ein Problem: Wie sollen die Prophetien erfüllt werden? Man konnte sich nicht vorstellen, wie die ganze Welt gleichzeitig ein Ereignis in Jerusalem sehen kann, oder wie die ganze Welt von einem einzigen Mann beherrscht werden soll oder was das “Bild des Tieres” sein soll, das selbständig denken und handeln kann. Von einem Zahlungssystem, ohne das niemand kaufen oder verkaufen kann, ganz zu schweigen. Das ist heute anders. Heute haben wir die Techniken, mit denen die Aussagen in der Offenbarung Wirklichkeit werden können.

Ein weiteres Problem in der Auslegung der Offenbarung war die Beschreibung der verschiedenen Ereignisse: Viele Ausleger behaupten, sie sei nicht chronologisch geschrieben und versuchen, “Einschübe” zu sehen, die quasi “aus der Zeit fallen”, also vorher oder später, als sie beschrieben werden, stattfinden. Bei der Ausarbeitung meines vorherigen Artikels “Die Zeit ist nicht nah – die Zeit ist da” habe ich einen anderen Blick auf die Offenbarung bekommen. Heute glaube ich, dass wir sie tatsächlich chronologisch lesen müssen.

Warum ich die Offenbarung chronologisch verstehe

Es gibt keine “Bedienunsanleitung”, wie die Offenbarung verstanden werden will. Nirgendwo wird beschrieben, wie Johannes die Offenbarung gemeint hat. Es ist also eine Frage der Auslegung.

Ein wichtiges Argument ist für mich die Reihenfolge der Gerichte: Siegel-, Posaunen- und Schalengerichte sind durchnummeriert, woraus wir eine chronologische Reihenfolge erkennen können. Das siebte Siegel enthält die Posaunengerichte, die siebte Posaune die Schalengerichte. Auch hier haben wir eine feste Reihenfolge und eben keine – wie das einige Ausleger sehen – unterschiedliche Sicht auf dieselben Ereignisse. Auch deutet Johannes eine chronologische Abfolge der Ereignisse an, indem er “Nach diesem ” (4,1) oder “danach” (7,1) schreibt.

Die letzte Jahrwoche

Meiner Auslegungen der Offenbarung liegen Daniels 70 Jahrwochen zugrunde. Nach Daniel 9,25-27 begannen diese 70 Jahrwochen zum Zeitpunkt des Erlasses zum Wiederaufbau Jerusalems. Diesen Befehl hatte der persische König Artaxerxes in seinem 20. Regierungsjahr am 1. April 444 v.Chr erlassen (s. Artikel “Jesu Geburtsjahr und Kreuzigungsdatum“). Nach 69 Jahrwochen würde nach der Prophetie in Daniel 9 “der Gesalbte” (= Jesus Christus) ermordet. Das war am 3. April 33. Es bleibt noch die letzte Jahrwoche, die in der Endzeit stattfindet.

Daniel erfährt von Gabriel – dem Engel, der mit ihm spricht – dass “über dein Volk und deine heilige Stadt (= Jerusalem) 70 Wochen bestimmt” sind (Daniel 7,24). Der Antichrist wird “mit den Vielen einen fest Bund schließen wird, eine Woche lang” (Daniel 9,27) und in der Mitte “Schlacht- und Speisopfer aufhören lassen”. Das ist die letzte Woche, die am Ende der Zeit stattfindet, die für Israel und Jerusalem bestimmt sind. Meine Auslegung, wie ich den Ablauf dieser Woche sehe, beschreibe ich in diesem Artikel.

Die Offenbarung erzählt nach meiner Auslegung die Entrückung (Offenbarung 7,9). Die Posaunengerichte beschreiben die Ereignisse in der ersten Hälfte der letzten Jahrwoche, die Schalengerichte die zweite Hälfte. Damit haben wir in den Kapiteln 10-15 die Ereignisse in der Mitte der Jahrwoche. So haben wir tatsächlich einen Fahrplan für die letzten sieben Jahre.

In diesem Artikel beschreibe ich meine Sicht auf die ersten elf Kapitel. Sie erzählen unsere heutige Zeit bis zur Mitte der letzten Jahrwoche. Weil die Mitte mit verschiedenen Ereignissen gefüllt ist, die die erste und die zweite Hälfte betreffen, gehe ich bis Kapitel 11 vor, das die erste Hälfte abschließt. Die Kapitel 12 bis 22 beschreibe ich in einem zweiten Artikel.

Einleitung

3 Glückselig ist, der die Worte der Weissagung liest, und die sie hören und bewahren, was darin geschrieben steht! Denn die Zeit ist nahe. 

Offenbarung 1,3

Kein anderes Buch der Bibel enthält ein Versprechen, das dem der Offenbarung gleicht. Sie verspricht nämlich jedem “Glückseligkeit” – oder Segen – der sie liest und ihren Inhalt zu verstehen sucht. Warum ist das so? Den Segen der Offenbarung erfahren wir in der Sicherheit, dass Jesus Christus uns durch alle Probleme und Schwierigkeiten begleitet und uns eines Tages aus dem Tod wieder aufweckt und wir in Ewigkeit in der schönsten Stadt leben dürfen, die es jemals gab: Dem Neuen Jerusalem. Aber auch die Tatsache, dass wir erfahren, was in der Zukunft geschehen wird und unser Herr uns vor der schlimmsten Zeit, die auf unsere Erde zukommt, zu sich holen wird, ist ein Segen für uns.

Kapitel 1 – Johannes vor Jesus, Einleitung des Briefes

5 Ihm, der uns geliebt hat und uns von unseren Sünden gewaschen hat durch sein Blut, 
6 und uns zu Königen und Priestern gemacht hat für seinen Gott und Vater — Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Offenbarung 1,5b-6

Johannes kennt seinen Herrn. Er sah ihn auch verherrlicht auf dem Berg der Verklärung (Matthäus 17,1-8). Aber hier sieht er den auferstandenen Sohn Gottes in Seiner ganzen Pracht. Das einzige, was Johannes in dieser Situation noch tun konnte, war auf sein Angesicht zu fallen und seinen Herrn anzubeten. Auch die Einleitung zu diesem Brief ist ein einziges Lob seines Herrn. Das macht er so perfekt, dass man unwillkürlich mit in das Lob einstimmen will. Johannes war der Poet unter den Aposteln.

Kapitel 2+3 – Sendschreiben

Die Offenbarung ist ein Brief. Sie wurde als Rundbrief an die sieben Gemeinden versandt, die in den Kapiteln 2 und 3 genannt werden (1,11).

Johannes befand sich auf der Insel Patmos vor der Küste Kleinasiens, der heutigen Türkei. Er bekommt den Auftrag, die Offenbarung an die sieben Gemeinden Kleinasiens zu versenden. Wer das von der Insel Patmos aus tun wollte, würde die Gemeinden in der Reihenfolge ansteuern, in der sie in der Offenbarung genannt werden.

In den Sendschreiben werden die sieben Gemeinden vorgestellt mit ihren Stärken und Schwächen. Es sind zum einen ganz normale Gemeinden, zum anderen steht jede Gemeinde aber auch für eine bestimmte Epoche in der Kirchengeschichte.

Sehen wir uns einmal die Gemeinden an und die Zeit der Kirchengeschichte, die sie repräsentieren. Die Gemeinden habe ich genauer im Artikel “Die Zeit ist nicht nah – die Zeit ist da!” beschrieben.

  • Ephesus (ca. 30–100 n.Chr.) – Die apostolische Zeit
    (2,1-7) – Die nicht verfolgte Gemeinde mit erkaltetem Herzen am Ende der apostolischen Zeit bis zum Ende des ersten Jahrhunderts.
  • Smyrna (ca. 100–313 n.Chr.) – Zeit der Christenverfolgung
    (2,8-11) – Die verfolgte Gemeinde vom 1. – 4. Jahrhundert. Sie ist die einzige Gemeinde der Sendschreiben, die noch heute besteht.
  • Pergamon (ca. 313–500 n.Chr.) – Reichskirche
    (2, 12 – 17) – Die Kirche ab der Zeit der Konstantinischen Wende 313. Durch Kaiser Theodorus wird das Christentum 80 Jahre später zur Staatsreligion. Entstehung von Staatskirchen und damit der Griff zur Macht.
  • Thyatira (ca. 500–1500 n.Chr.) – Das päpstliche Mittelalter
    (2,18-29) – Die Papst-Kirche von Rom. Heiden brachten ihre Götzen mit in die Kirche, die später zu „Heiligen“ ernannt wurden – z. B. wird Maria durch die Katholische Kirche bis heute als “ewige Jungfrau” bezeichnet, die der Diana (oder Arthemis) gleicht, die ebenfalls als “ewige Jungfrau” bezeichnet wird.
  • Sardes (ca. 1500–1750 n.Chr.) – Reformationszeit
    (3,1-6) – Die junge protestantische Kirche von der Reformation ab 31. Oktober 1517 und ihr Niedergang.
  • Philadelphia (ca. 1750–1900 n.Chr.) – Erweckungszeit / Mission
    (3,7-13) – Die Erweckungsbewegung im 18. und 19. Jahrhundert – Entstehung der Freikirchen. Sie ist die zweite Gemeinde, die von Jesus nur Lob und keinen Tadel erhält.
  • Laodizea (ab ca. 1900 bis heute) – Endzeit / Moderne
    (3,14-22) Der geistliche Zerfall von katholischer und evangelischer Kirche sowie freikirchlicher Gemeinden der Neuzeit bis heute.

Die Kirchengeschichte endet in der Gemeinde Laodizea mit einem großen Abfall (1. Timotheus 4,1; 2. Timotheus 4,3-4; 2. Thessalonicher 2,3). Weil wir diesen Abfall in der heutigen Kirche erleben, glaube ich, dass wir bereits in dieser Zeit angekommen sind.

Johannes erfährt im Folgenden: “Ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen muss!” (Offenbarung 4,1). Mit anderen Worten, wenn die Gemeinde Laodizea in der Welt ist, ist das Ende nicht mehr weit, auf jeden Fall beginnt dann die Offenbarung ab Kapitel 6 mit den Siegelgerichten.

Kapitel 4 – Johannes im Himmel

1 Nach diesem schaute ich, und siehe, eine Tür war geöffnet im Himmel; und die erste Stimme, die ich gleich einer Posaune mit mir reden gehört hatte, sprach: Komm hier herauf, und ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen muss!

Offenbarung 4,1

Einige Ausleger sehen im ersten Vers des vierten Kapitels die Entrückung der Gemeinde. Ihr Argument: Der Gang von Johannes in den Himmel symbolisiert auch die Entrückung. Alles, was danach kommt, findet somit statt, wenn die Gemeinde bereits beim Herrn ist. Das sehe ich nicht so. Warum, habe ich im Artikel “Entrückung vor den Siegelgerichten” beschrieben. Ich sehe hier lediglich, dass Johannes seinen Standort in den Himmel wechselt, um die Ereiginisse im Himmel und auf der Erde gleichermaßen beschreiben zu können. Wir sehen später, dass die Offenbarung tatäschlich im Himmel und auf der Erde gleichzeitig berichtet. Ich glaube, dass wir die Entrückung erst im 7. Kapitel sehen werden.

Während die Propheten des Alten Testaments Israel im Blick hatten und andere Völker nur nannten, sofern sie in Beziehung mit Israel standen, weitet sich nun der Blick des Apostels auf die ganze Erde. Johannes sieht also nicht nur Israel, sondern die ganze Menschheit.

Vor der letzten Jahrwoche

Kapitel 5 – Das Buch mit den sieben Siegeln

1 Und ich sah in der Rechten dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, innen und außen beschrieben, mit sieben Siegeln versiegelt.

Offenbarung 5,1

Johannes sieht das Buch mit den sieben Siegeln. Es ist “innen und außen beschrieben” (5,1). Die Beschriftung des Buches zeigt wahrscheinlich den Heilsplan Gottes mit dem Volk Israel, der Kirche, der Erde, aber auch das Ende des Bösen und die Neue Schöpfung – kurz: Alles, was wir in der Offenbarung lesen. Die Bibel sagt das nicht, das ist nur eine Vermutung.

Weil außer dem Lamm niemand würdig ist, die Siegel zu öffnen, betet der ganze Himmel Jesus Christus – das Lamm – an. Johannes sieht nun Christus, die Hauptperson der kommenden Ereignisse.

Der Sinn der Siegelgerichte

Sie sind Bußgerichte und rufen die Menschheit vor den Gerichten zur Umkehr. An dem Chaos und der Unordnung auf der Erde sollen die Menschen erkennen, dass Gott bald Sein Gericht kommen lässt. Noch zerstört Er nichts, er lässt lediglich zu, dass die Gesellschaft in Unordnung und Chaos versinkt, damit sie sich wieder auf Ihn besinnt – dem Einzigen, der alles wieder in Ordnung bringen kann. Menschen, die sich zu Ihm bekehren, werden versiegelt, damit sie bei der Entrückung (7,9) dabei sind.

Kapitel 6 – Öffnung der ersten sechs Siegel

Die vier Reiter beschreiben den voranschreitenden Verfall der menschlichen Gesellschaft.

Der erste Reiter – Der Antichrist

1 Und ich sah, wie das Lamm eines von den Siegeln öffnete, und ich hörte eines von den vier lebendigen Wesen wie mit Donnerstimme sagen: Komm und sieh! 
2 Und ich sah, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hatte einen Bogen; und es wurde ihm eine Krone gegeben, und er zog aus als ein Sieger und um zu siegen.

Offenbarung 6,1-2

Ich sehe – übrigens wie andere Ausleger auch – in dem Reiter auf dem weißen Pferd den Antichristen, nicht Christus:

  • Er trägt keine Krone, sondern einen Siegeskranz. Die Schlachterübersetzung schreibt zwar “Krone”, das griechische Wort leutet “stephanos”, eigentlich “Siegeskranz”. Christus dagegen trägt viele “diadema” – Kronen (Offenbarung 19,11-12).
  • Der Reiter trägt einen Bogen. Christus dagegen trägt ein Schwert (Offenbarung 19,15).

Der Antichrist erscheint zunächst noch im Verborgenen. Er trägt einen Bogen, was bedeutet, dass er aus großer Entfernung schießen kann. Seine Pfeile treffen, ohne dass man den Schützen sehen kann. Daran können wir erkennen, dass er im Hintergrund bereits die Fäden zieht, aber noch weiß niemand, wer er ist. Er ist heute Teil des “Deep State” (dem Staat hinter dem Staat). Er gewinnt die Menschheit durch seine Persönlichkeit, nicht durch Krieg (“Er zog aus um zu siegen”, Vers 2). Das können wir auch an seiner Kopfbedeckung erkennen: Er trägt einen Siegeskranz.

Alle Reiter sind lediglich personifizierte Mächte oder geistliche Realitäten, die hier in Erscheinung treten. Der erste Reiter – der Antichrist – ist die einzige reale Person der vier Reiter. Alle anderen Reiter – genauer: ihre Auswirkungen – ruft er durch sein Regieren im Hintergrund auf, wobei man natürlich nicht vergessen darf, dass er nur das tun darf, was Jesus ihm durch das Öffnen der Siegel erlaubt.

Der zweite Reiter – Krieg und Chaos

3 Und als es das zweite Siegel öffnete, hörte ich das zweite lebendige Wesen sagen: Komm und sieh! 
4 Und es zog ein anderes Pferd aus, das war feuerrot, und dem, der darauf saß, ihm wurde gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, damit sie einander hinschlachten sollten; und es wurde ihm ein großes Schwert gegeben.

Offenbarung 6,3-4

Der zweite Reiter bringt Krieg, aber auch Unfrieden und Chaos. Wir sehen das besonders in Europa durch den Ansturm aus islamischen Ländern. Die Ankommenden verbreiten Unfrieden, Chaos und Tod. Gleichzeitig erhöht sich die Spannung in der Geopolitik. “Kriege und Kriegsgerüchte” vermehren sich (Matthäus 24,7). Den Krieg zwischen Israel und Iran zähle ich nicht dazu, weil er eine Weiterführung des 7. Oktobers 2023 ist und deshalb der Beginn der Schlacht ist, die in letzter Konsequenz zum Hesekiel-Krieg führt, den wir im sechsten Siegel sehen werden (6,12-14), wie ich im Artikel “Der Hesekiel-Krieg hat begonnen” beschrieben habe.

Der dritte Reiter – Der Hunger

5 Und als es das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte lebendige Wesen sagen: Komm und sieh! Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd, und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. 
6 Und ich hörte eine Stimme inmitten der vier lebendigen Wesen, die sprach: Ein Maß Weizen für einen Denar, und drei Maß Gerste für einen Denar; doch das Öl und den Wein schädige nicht!

Offenbarung 6,5-6

Staatsausgaben, Steuern und Inflation werden ungebremst erhöht. Der übergriffige Staat lässt die Bevölkerung verarmen. Arbeitnehmer können ihre Familien nicht mehr ernähren. In naher Zukunft werden die Bundesbürger aus ideologischen Gründen enteignet. Die EZB behauptet eine niedrige Inflationsrate zu erreichen, obwohl die Bürger ständig höhere Kosten bei der Lebenshaltung feststellen. Luxusgüter dagegen ändern sich nicht oder werden sogar billiger.

Der vierte Reiter – Der Tod

7 Und als es das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten lebendigen Wesens sagen: Komm und sieh! 
8 Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd, und der darauf saß, dessen Name ist »der Tod«; und das Totenreich folgt ihm nach. Und ihnen wurde Vollmacht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und mit Hunger und mit Pest und durch die wilden Tiere der Erde.

Offenbarung 6,7-8

Jede sozialistische Regerung hat noch immer zur Armut, Hunger und schließlich Tod der Bevölkerung geführt. Auf das Konto des Sozialismus gehen nach Schätzungen etwa 100 Mio Tote. Das wird sich nie ändern. Wir sehen heute die mutwillige Zerstörung von Familie, Gesellschaft, Wohlstand und Wirtschaft. Durch ständig steigende Steuern und Abgaben wird es zuerst die Ärmsten der Armen treffen sowie kinderreiche Familien, später auch die Mittelschicht, bis mit Ausnahme der Superreichen niemand mehr genug zum Leben hat.

Aber nicht nur durch Armut und Hunger, auch durch menschenverachtende Ideologien werden Menschen ermordet. Denken wir nur an die weltweit ca. 73 Mio abgetriebenen Babys jedes Jahr. Von den Toten der Corona-Impfung will ich gar nicht sprechen.

Dieser Reiter tötet ein Viertel der Menschheit, also etwa 2 Mrd Menschen (Vers 8).

5. Siegel – Christenverfolgung

9 Und als es das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die hingeschlachtet worden waren um des Wortes Gottes willen und um des Zeugnisses willen, das sie hatten. 
10 Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Wie lange, o Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? 
11 Und jedem von ihnen wurden weiße Kleider gegeben, und es wurde ihnen gesagt, dass sie noch eine kleine Zeit ruhen sollten, bis auch ihre Mitknechte und ihre Brüder vollendet wären, die auch wie sie getötet werden sollten.

Offenbarung 6,9-11

Die Märtyrer unter dem Altar sind für mich eines der Hauptargumente für meine Auslegung: Wenn die Entrückung laut einigen Auslegern in Vers 4,1 – also jetzt gerade – stattgefunden hat, warum stehen die Märtyrer nicht vor dem Thron?

Ich sehe in ihnen ein Symbol für die beginnende (bzw. bereits stattfindende) Christenverfolgung. Wer bisher glaubte, in einem “freiheitlichen” Kontinent wie Europa sei das nicht möglich, der sieht sich nun getäuscht. Heute werden Christen wegen “Hassrede” vor Gericht gezerrt und sogar verurteilt. Die finnische Politikerin und frühere Innenministerin Päivi Räsänen wurde wegen ihres christlichen Glaubens verurteilt und muss nun ihr Recht auf Religionsfreiheit vor dem EU-Gerichtshof für Menschenrechte verteidigen.

5 Jahre musste der Bremer Pastor Olaf Latzel sich gegen Anklagen wegen “Volksverhetzung” verteidigen, weil er kriminelle Homosexuelle als “Verbrecher” bezeichnete, weil sie sein Auto zerkratzten, die Kirche beschmierten und Gottesdienste störten. Offensichtlich sind Homosexuelle heute Menschen erster Klasse, Christen sind Menschen zweiter oder dritter Klasse, denn die Angriffe auf ihn selbst wurden nie aufgeklärt.

6. Siegel – Der “Hesekiel-Krieg”

12 Und ich sah, als es das sechste Siegel öffnete, und siehe, ein großes Erdbeben entstand, und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der Mond wurde wie Blut; 
13 und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum seine unreifen Früchte abwirft, wenn er von einem starken Wind geschüttelt wird. 
14 Und der Himmel entwich wie eine Buchrolle, die zusammengerollt wird, und alle Berge und Inseln wurden von ihrem Ort weggerückt.

Offenbarung 6,12-14

Russland, Türkei und Iran greifen Israel an (Hesekiel 38). Gott greift ein und zerstört die Angreifer durch Erdbeben, Hagelfälle und Verwirrung, in der jeder gegen jeden kämpft. Ich glaube, dass dieser Krieg am 7. Oktober 2023 begonnen hat. Der Krieg, den Hesekiel beschreibt, ist die finale Schlacht, die wir mit dem sechsten Siegel erleben werden. Genaueres habe ich im Artikel “Der Hesekiel-Krieg hat bereits begonnen” beschrieben

Israel und die Gemeinde

Entrückung und Beginn der letzten Jahrwoche

Wie ich im Artikel “Entrückung vor den Siegelgerichten” beschrieben habe, nennt uns die Offenbarung zwei für die Gemeinde wichtige Ereignisse nicht: Die Entrückung und den Beginn der letzten Jahrwoche. Jede Auslegung, die beides in die Offenbarung hineininterpretiert, kann dies also nur aufgrund von Vermutungen tun. Da macht natürlich meine Auslegung keine Ausnahme. Welche der vielen verschiedenen Auslegungen die richtige ist, werden wir erst am Ende der Zeit sehen, wenn wir vor Christus stehen.

Kapitel 7, Verse 1-3 – Die vier Engel

1 Und danach sah ich vier Engel an den vier Enden der Erde stehen, die hielten die vier Winde der Erde fest, damit kein Wind wehe über die Erde, noch über das Meer, noch über irgendeinen Baum. 
2 Und ich sah einen anderen Engel, der von Sonnenaufgang heraufstieg, der hatte das Siegel des lebendigen Gottes; und er rief mit lauter Stimme den vier Engeln zu, denen es gegeben war, der Erde und dem Meer Schaden zuzufügen, 
3 und er sprach: Schädigt die Erde nicht, noch das Meer, noch die Bäume, bis wir die Knechte unseres Gottes an ihren Stirnen versiegelt haben!

Offenbarung 7,1-3

Hier sehen wir vier Engel, die die kommenden Posaunengerichte entfesseln. Ihnen wird jetzt zunächst befohlen, diese Ereignisse zurückzuhalten. Die vier Engel halten die kommenden Gerichte zurück, bevor zwei wichtige Ereignisse stattfinden:

  • 144.000 Israeliten werden versiegelt, die 3 1/2 Jahre missionieren (s. Artikel “Wer sind die 144.000“).
  • Die Gemeinde wird entrückt, wie wir das im Folgenden lesen.
  • Später werden wir auch von den zwei Zeugen lesen, die ihren Dienst mit der ersten Posaune beginnen (8,7; 11,3).

Kapitel 7, Verse 4-8 – Die Versiegelung der 144.000

4 Und ich hörte die Zahl der Versiegelten: 144 000 Versiegelte, aus allen Stämmen der Kinder Israels.

Offenbarung 7,4

(“Und danach…” – Johannes beschreibt eine chronologische Reihenfolge).

144.000 Evangelisten werden von Gott beauftragt und befähigt, der Welt Sein Evangelium zu bringen. Sie werden bereits vor der Entrückung versiegelt und erhalten einen besonderen Auftrag, weshalb sie nicht an der Entrückung teilnehmen. Sie sind gemeinsam mit den zwei Zeugen Gottes “Eisen im Feuer”, durch das Er der Welt die letzte Chance zur Bekehrung gibt und sie zum letzten Mal zur Umkehr ruft. Sie evangelisieren, wie ich das im Artikel “Wer sind die 144.000” beschrieben habe, weil mit dem Heiligen Geist Versiegelte selbstverständlich Jesu Evangelisationsauftrag erfüllen (Matthäus 28,18-20).

Die Versiegelung zu diesem Zeitpunkt ist für mich ein weiteres Argument für die Entrückung in 7,9: Wenn in 4,1 die Entrückung stattfinden würde, wäre danach niemand mehr da, der evangelisieren könnte. Erst jetzt, da die 144.000 versiegelt werden, wäre das erst wieder möglich. Warum sollte Gott so lange warten, um die Menschen so kurz vor dem Ende zu sich zu rufen?

Entrückung

Kapitel 7, Verse 9-17 – Entrückung

9 Nach diesem sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Kleidern, und Palmzweige waren in ihren Händen.

Offenbarung 7,9

Eine kunterbunte Ansammlung von Menschen aus allen Ethnien, allen Rassen und allen Völkern. So stelle ich mir die weltweite Gemeinde vor, die nach meiner Auslegung nach der Entrückung vor dem Thron steht. “Gottes Lieblingsfarbe ist bunt”. Genauso sieht die hier beschriebene Menschenmenge aus, die vor dem Thron steht.

Wie ich bereits in meinem Artikel “Entrückung vor den Siegelgerichten” beschrieben habe, glaube ich, dass die Drangsal der Gemeinde bereits zu Pfingsten begann. Die Gemeinde geht also bis heute durch eine fast 2.000-jährige Drangsal. Der Älteste, der Johannes sagt, dass die unzählbare Schar “aus der großen Drangsal” kommt, bestätigt damit, dass wir hier die entrückte Gemeinde sehen.

Wer die Entrückung verpasst, muss auf der Erde bleiben und entweder die letzten sieben Jahre erleben, oder er darf mit den “Überwindern” (Kapitel 15) vor dem Thron erscheinen. Das bedeutet aber, dass er vom Tier ermordet wird. Das sehen wir im Kapitel 15.

Erst jetzt kann der Antichrist öffentlich sein Unwesen treiben (2. Thessalonicher 2,1-6) und erst jetzt lassen die vier Engel aus Vers 1 die Gerichte über die Welt kommen. Das entspricht dem Versprechen, das Jesus der gläubigen Gemeinde Philadelphia gemacht hat, dass Er sie “vor der Stunde der Versuchung bewahren” wird (3,10).

Beginn der letzten sieben Jahre

Die ersten 3 1/2 Jahre

Kapitel 8+9 – Das siebte Siegel mit den Posaunengerichten

Öffnen des siebten Siegels, das die Posaunengerichte enthält (8,1-2)

1 Und als es das siebte Siegel öffnete, entstand eine Stille im Himmel, etwa eine halbe Stunde lang. 
2 Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott standen; und es wurden ihnen sieben Posaunen gegeben. 
3 Und ein anderer Engel kam und stellte sich an den Altar, der hatte ein goldenes Räucherfass; und ihm wurde viel Räucherwerk gegeben, damit er es zusammen mit den Gebeten aller Heiligen auf dem goldenen Altar darbringe, der vor dem Thron ist. 
4 Und der Rauch des Räucherwerks stieg auf vor Gott, zusammen mit den Gebeten der Heiligen, aus der Hand des Engels. 
5 Und der Engel nahm das Räucherfass und füllte es mit Feuer vom Altar und warf es auf die Erde; und es geschahen Stimmen und Donner und Blitze und ein Erdbeben. 

Offenbarung 8,1-5

Die Posaunengerichte werden vorbereitet. Die “halbe Stunde Stille” ist ein Zeichen dafür, dass es auch im Himmel Zeit gibt. Engel und Dämonen unterliegen wie wir Zeit und Raum. Der einzige, der ohne Zeit ist und an allen Orten gleichzeitig sein kann, ist unser Gott und Herr. Selbst der Satan kann das trotz seiner Macht nicht, weil auch er nur ein Geschöpf Gottes ist.

Ein Engel bringt die Gebete der Menschen dar. Was für ein schönes Bild, zu wissen, dass unsere Gebete wie ein Opferrauch vor Gott aufsteigen. Anschließend wirft er das Fass auf die Erde und zeigt durch die entstehenden “Stimmen, Donnern und Blitzen und Erdbeben” (8,5) den Menschen auf der Erde damit an: Das Gericht Gottes beginnt.

Der Sinn der Posaunengerichte

Posaunen werden in der Bibel eingesetzt zur Sammlung, zur Warnung oder zum Fest. Die Posaunengerichte sind für Israel und die Welt bestimmt. Sie rufen das Volk Gottes zur Sammlung im Land Israel und zur Umkehr. Sie warnen aber auch davor, diesen Ruf zu ignorieren – und sie laden zum Fest ein, das wir am Ende der Zeit feiern werden. Wie wir weiter oben gelesen haben und in Kapitel 11 noch lesen werden, sind die 144.000 und die zwei Zeugen aktiv, die durch Evangelisation diese Einladung Gottes überbringen.

Die zwei Zeugen

Sobald die erste Posaune geblasen wird (8,7) werden auch die zwei Zeugen auftreten und ihren Dienst beginnen. Wir erfahren zwar erst in einem späteren Kapitel von ihnen (11,3-13), sie beginnen aber jetzt mit ihrer Predigt.

Die ersten vier Posaunen (8,7-12)

Mit der ersten Posaune beginnt die letzte Jahrwoche. Das Gericht findet zwar auf der ganzen Erde statt, zerstört aber jeweils nur ein Drittel. Damit rufen die Posaunen: Auch im Gericht gibt es Gnade, noch ist Zeit, deshalb bekehre dich zu Gott!

Jede der vier Posaunen vernichtet ein Drittel auf der Erde:

  • 1. Posaune: Vegetation
  • 2. Posaune: Meer mit Fischen und Schiffen
  • 3. Posaune: Trinkwasser
  • 4. Posaune: Sonne und Mond

Ein Engel ruft die drei Wehe aus (1. Warnung)

13 Und ich sah und hörte einen Engel, der in der Mitte des Himmels flog und mit lauter Stimme rief: Wehe, wehe, wehe denen, die auf der Erde wohnen, wegen der übrigen Posaunenstöße der drei Engel, die noch in die Posaune stoßen sollen! 

Offenbarung 8,13

Die verbleibenen drei Posaunen lösen jeweils ein Wehe aus. Der Engel warnt die Menschen wegen der noch verbleibenden Gerichte. Das ist die erste Warnung, die die Menschen auf der Erde erhalten. Zwei weitere folgen.

5. Posaune – 1. Wehe (9,1-12)

1 Und der fünfte Engel stieß in die Posaune; und ich sah einen Stern, der vom Himmel auf die Erde gefallen war, und es wurde ihm der Schlüssel zum Schlund des Abgrunds gegeben.

Offenbarung 9,1

Der Satan wird auf die Erde geworfen und öffnet den Abgrund. Alles, was im Abgrund eingesperrt wird oder aus ihm herauskommt, ist satanisch (s. auch Lukas 8,31). Die Dämonen, die freigelassen werden, wurden wahscheinlich vor der Sintflut von Gott eingesperrt (1. Mose 6,1-2; 2. Petrus 2,4) und werden nun zum Gericht Gottes wieder auf die Erde losgelassen. Sie quälen die Menschen wie Heuschrecken 5 Monate lang. Allerdings werden die versiegelten 144.000 und die zwei Zeugen verschont (9,4).

6. Posaune – 2. Wehe (9,13-21)

15 Und die vier Engel wurden losgebunden, die auf Stunde und Tag und Monat und Jahr bereitstanden, den dritten Teil der Menschen zu töten. 
16 Und die Zahl des Reiterheeres war zweimal zehntausendmal zehntausend; und ich hörte ihre Zahl.

Offenbarung 9,15-16

Vier Engel werden losgebunden und ein 200-Millionen-Heer erscheint. Hier kann man streiten: Sind die vier Engel in Wirklichkeit Dämonen, weil sie ja der Menschheit schaden, oder sind es tatsächlich Engel, die Dämonen festhalten? Ich bin unentschieden: Einerseits denke ich, dass Johannes Engel meint, wenn er von ihnen schreibt, andererseits müssen Engel nicht gebunden werden, um den Willen Gottes zu tun. Das ist aber für den weiteren Hergang egal. Das Heer tötet ein Drittel der Menschheit (2 Mrd Tote). Gemeinsam mit den Toten des vierten Reiters (6,8) wurde damit die Hälfte der Menschheit getötet.

Welches Heer könnte hier gemeint sein? Ich muss gestehen, dass ich das nicht weiß. Die Informationen der Bibel sind leider etwas spärlich. Weil es auf der ganzen Erde nicht genug Soldaten gibt (mit Reservisten gibt es weltweit etwa 20 bis 30 Mio Soldaten), vermute ich Dämonen.

Die Mitte der letzten Jahrwoche

Ein Autor hat bei Ereignissen, die gleichzeitig ablaufen, ein Problem: Er kann sie nur nacheinander erzählen, nicht gleichzeitig. Johannes löst dieses Problem auf meisterhafte Weise: Er lässt keinen Zweifel, welche Ereignisse, die in der ersten Hälfte begonnen haben und in der Mitte enden und welche in der Mitte beginnen und in der zweiten Hälfte der Jahrwoche stattfinden.

Die siebte Posaune wurde noch nicht geblasen, deshalb betreffen die Ereignisse, die Johannes jetzt erzählt, die erste Hälfte der letzten Jahrwoche. Sie schließen die erste Hälfte ab. Besonders aber ist der Drehpunkt zwischen der ersten und der zweiten Hälfte zu erwähnen: Das Erscheinen des Reiches des Antichristen in Kapitel 13. Bevor er sein Reich bauen kann, müssen noch einige Dinge erledigt werden.

Abschluss der ersten Hälfte

Kapitel 10 – Der Engel mit dem Buch (2. Warnung)

1 Und ich sah einen anderen starken Engel aus dem Himmel herabsteigen, bekleidet mit einer Wolke, und ein Regenbogen war auf seinem Haupt; und sein Angesicht war wie die Sonne und seine Füße wie Feuersäulen. 
2 Und er hielt in seiner Hand ein offenes Büchlein; und er setzte seinen rechten Fuß auf das Meer, den linken aber auf die Erde
6 und schwor bei dem, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, der den Himmel geschaffen hat und was darin ist, und die Erde und was darauf ist, und das Meer und was darin ist: Es wird keine Zeit mehr sein; 
7 sondern in den Tagen der Stimme des siebten Engels, wenn er in die Posaune stoßen wird, soll das Geheimnis Gottes vollendet werden, wie er es seinen Knechten, den Propheten, als Heilsbotschaft verkündet hat.

Offenbarung 10,1-2+6-7

Ein Engel mit einem Buch ruft aus, dass es nach dem Ertönen der siebten Posaune “keine Frist mehr geben wird” (10,6). Die sieben Donner sprechen, Johannes darf nicht schreiben, was sie geredet haben. Es gab einige Spekulationen darüber, was es sein könnte, das die Donner gesagt haben, aber Gott hat entschieden, dass es ungeschrieben bleiben soll. Die Bibel ist Sein Buch, also entscheidet Er, was darin steht und was nicht. Der Engel warnt die Menschen, dass die Zeit der Gnade bald abläuft (“Es wird keine Zeit mehr sein” – Vers 6) und ruft gemeinsam mit den 144.000 und den zwei Zeugen die Menschen zur Buße und Umkehr auf. Das ist die zweite Warnung an die Menschen auf der Erde.

Johannes isst das Buch des Engels. Es schmeckt süß, aber er bekommt Bauchschmerzen. Das symbolisiert einerseits die angenehme Süße von Gottes Auftrag, den Johannes bekommt, andererseits aber auch die Schwere des Gerichts, das in Gottes Wort angekündigt wird. Auch Hesekiel bekam ein Buch, das er essen sollte. Sein Buch war ebenfalls auf der Außen- und Innenseite beschriftet, allerdings mit “Klagen, Seufzer und Weherufe” (Hesekiel 2,93,3).

Die Unterschiede der beiden Bücher: Wir erfahren nicht, was auf dem Buch steht, das Johannes bekommt und nicht, ob Hesekiel von seinem Buch Bauchschmerzen bekommt.

Kapitel 11 – Vermessung der Gläubigen, die zwei Zeugen

1 Und mir wurde eine Messrute gegeben, gleich einem Stab; und der Engel stand da und sagte: Mache dich auf und miss den Tempel Gottes samt dem Altar, und die, welche darin anbeten!

Offenbarung 11,1

Johannes vermisst den Tempel und die Anbeter (11,1-2). Das ist der dritte Tempel, der auf Initiative des Antichristen am Anfang der letzten Jahrwoche gebaut wird (s. Artikel “Die letzte Jahrwoche“). Weil der Antichrist sein Reich noch nicht gebaut hat, ist es noch ein Tempel für gläubige Juden. Das Vermessen in Gottes Auftrag bedeutet Inbesitznahme und götticher Schutz vor Vernichtung. Die Anbeter sind also das letzte überlebende Drittel (Sacharja 13,8) und sind gleichzeitig die Frau, die in die Wüste flieht (12,1-6). Er muss das jetzt machen, weil es nach dem Beginn des Reich des Antichristen (Kapitel 13) keine Gelegenheit mehr gibt.

Die zwei Zeugen

Erst jetzt erfahren wir von den zwei Zeugen, die aber bereits zu Beginn der letzten Jahrwoche ihren Dienst begannen. Sie werden nach ihrem Dienst von 3 1/2 Jahren (die erste Hälfte der letzten Jahrwoche) ermordet, stehen wieder auf und gehen in den Himmel.

7 Und wenn sie ihr Zeugnis vollendet haben, wird das Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt, mit ihnen Krieg führen und sie überwinden und sie töten. 
8 Und ihre Leichname werden auf der Straße der großen Stadt liegen, die im geistlichen Sinn Sodom und Ägypten heißt, wo auch unser Herr gekreuzigt worden ist. 
11 Und nach den dreieinhalb Tagen kam der Geist des Lebens aus Gott in sie, und sie stellten sich auf ihre Füße, und eine große Furcht überfiel die, welche sie sahen. 
12 Und sie hörten eine laute Stimme aus dem Himmel, die zu ihnen sprach: Steigt hier herauf! Da stiegen sie in der Wolke in den Himmel hinauf, und ihre Feinde sahen sie.

Offenbarung 11,7-8+11-12

Der Tod, die Auferstehung und die Himmelfahrt der zwei Zeugen ist ein Medienereignis erster Güte: Die ganze Welt sieht zu und erkennt darin das Wirken Gottes. Besonders erstaunlich – oder auch nicht, wenn man sich die heutige Zeit ansieht – ist die Reaktion der Menschen auf den Tod der Zeugen. Sie feiern den Mord an zwei Menschen und verhindern sogar die Beerdigung. Einen Vorschatten darauf haben wir an der Freude über den Mord an Charlie Kirk gesehen.

Am Ende aber kommt der “große Showdown”: Vor laufender Kamera stehen die Zeugen wieder auf und gehen in den Himmel. Spätestens jetzt würde ich ja erwarten, dass die Menschen sich bekehren, weil sie das Handeln Gottes nicht leugnen können. Aber nein, sie leben weiter wie bisher. Jetzt wartet nur noch Untergang auf sie. Sie bestätigen das, was Abraham zum reichen Mann in der Geschichte vom armen Lazarus sagte (Lukas 16,19-31): “Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören (= die Bibel), so würden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer aus den Toten auferstände!”

Warum erfahren wir erst jetzt von den Zeugen?

Mir fällt dazu nur eine Antwort ein: Die 144.000 wurden durch Gottes Befehl versiegelt, die zwei Zeugen durch Gottes Kraft wieder lebendig und in den Himmel entrückt. Von beiden Gruppen erfahren wir dann, wenn Gott eingreift. Deshalb lesen wir von den 144.000 am Anfang der letzten Jahrwoche, von den zwei Zeugen in der Mitte.

7. Posaune – Abschluss der ersten Hälfte – 3. Wehe (11,15-19)

15 Und der siebte Engel stieß in die Posaune; da ertönten laute Stimmen im Himmel, die sprachen: Die Königreiche der Welt sind unserem Herrn und seinem Christus zuteilgeworden, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit!

Offenbarung 11,15

Mit dem Blasen der siebten Posaune (11,15-18) ist die erste Hälfte der letzten Jahrwoche abgeschlossen. Der Himmel ruft (wahrscheinlich gemeinsam mit der entrückten Gemeinde), dass nun alle Königreiche Christus gehören. Das ist einerseits eine Prophetie, ist aber andererseits auch der Ausspruch, der auf der Gewissheit beruht, dass Gott Seinen Plan zu Ende führen wird.

Der geöffnete Tempel

19 Und der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und die Lade seines Bundes wurde sichtbar in seinem Tempel. Und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner und ein Erdbeben und ein großer Hagel. 

Offenbarung 11,19

Der Tempel wird geöffnet und die Bundeslade wird sichtbar. Der (noch) geöffnete Tempel signalisiert, dass eine Bekehrung von Menschen noch möglich ist. Wenn später der Tempel dagegen geschlossenen wird, ist der Zug abgefahren (15,8).

Es folgen “Blitze, Stimmen, Donner, Erdbeben und ein großer Hagel” (Vers 19) als Vorbereitung auf die zweite Hälfte. Das entspricht übrigens dem siebten Siegel, nach dem “Stimmen und Donner und Blitze und ein Erdbeben” geschahen (8,5). Jetzt muss der letzte Mensch sich bekehren, sonst ist das nicht mehr möglich.

Es werden nun Ereignisse vorbereitet, die in der zweite Hälften ablaufen. Die beschreibe ich im Teil 2.


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